Von Terminal zu Terminal

In acht Minuten zu Terminal 3

Im Süden des Flughafens wird derzeit gebaggert und gebaut. Denn bis 2023 entsteht hier das modernste Terminal Europas. Aber wie sollen nur die vielen Reisenden von Terminal 1 und 2 aus in den Süden kommen? Immerhin trennen zwei Start- und Landebahnen das neue Terminal 3 vom Rest des Flughafens. Diese Herausforderung beschäftigt Planer wie Wolfgang Holzhausen schon viele Jahre. „Bereits während meines Studiums an der TU Darmstadt habe ich mich mit der Infrastruktur am Flughafen beschäftigt und die damals im Rahmen einer Studienarbeit gefundene Lösung bei Fraport weiter entwickelt“, erläutert der Verkehrsplaner.

Wolfgang Holzhausen, einen Menschen hinter Terminal 3, können Sie hier näher kennen lernen!  Mehr   Heute ist er verantwortlich für die Planung und Realisierung des neuen Passagier-Transport-Systems, kurz PTS. Das System soll den reibungslosen und vor allem schnellen Wechsel zwischen Terminal 3 und den bestehenden Terminals 1 und 2 sowie dem Regional- und Fernbahnhof gewährleisten.

Mehrjährige Planungen für ein zuverlässiges und sicheres System

Das neue PTS gewährleistet für die Reisenden die optimale Anbindung des neuen Terminals an den Flughafen. Bereits 1994 zur Eröffnung von Terminal 2 standen die Planer vor einer ähnlichen Herausforderung. Damals wurde mit der Sky Line-Bahn ein Transportsystem entwickelt, das Passagiere 365 Tage im Jahr zwischen Terminal 1 und 2 befördert – und zwar fahrerlos völlig autonom. Das System hat sich bis heute bewährt. Für die Anbindung des Terminals 3 wurde zunächst überlegt, die bestehende Streckenführung der Sky Line-Bahn einfach zu verlängern und bis in den Süden des Frankfurter Flughafens zu Terminal 3 auszubauen. Die heutige Bahn ist jedoch auf transitreisende Fluggäste ausgerichtet und zudem auf zwei Wagen pro Zug begrenzt. Damit auch Anreisende mit der Bahn problemlos das neue PTS zum Terminal 3 nutzen können und keine Kapazitätsprobleme entstehen, wurde der Plan einer simplen Verlängerung des Systems schnell wieder verworfen.

Seit 1994 fährt die Sky Line-Bahn zwischen Terminal 1 und 2 als erstes fahrerloses Transportsystem in Deutschland. Verlegung des ersten Schienenstücks 1992 Die Sky Line-Haltestelle an Terminal 1 kurz vor Inbetriebnahme des Transportsystems im Jahr 1994. Ein Sky Line-Wagen der ersten Generation wird auf die Schienen gehoben. Nach Inbetriebnahme wacht die Kontrollzentrale über die autonom fahrende Sky Line-Bahn. Seit über 20 Jahren verbindet die Sky Line-Bahn Terminal 1 und 2 – 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Stattdessen entwickelte Wolfgang Holzhausen zusammen mit seinem Team ein paralleles Transportsystem mit komplett neuer Streckenführung. Reisende vom Fern- und Regionalbahnhof werden bequem über die neu zu bauende Haltestelle F vor Terminal 1 einsteigen. Bis zur Realisierung der als Erweiterungsmodul geplanten Station am Flugsteig C wird der Umstieg zwischen „alter“ und „neuer“ Bahn in der Station Terminal 2, die bereits beim Bau der Sky Line 1994 für die Aufnahme zwei weiterer Gleise vorbereitet wurde, erfolgen. Sie dient dabei auch dem Ein- und Ausstieg aller Reisenden des Terminals 2. Nach einem kurzen Halt fährt das neue PTS vom Terminal 2 entlang der Autobahn A5 direkt  zum Terminal 3.

Das neue Passagier-Transport-System

Direkte Wege und fließende Abläufe

Das neue PTS wird die vorhandene Sky Line-Bahn ergänzen. Es fährt wie schon die Sky Line-Bahn fahrerlos auf zwei Trassen. In etwa acht Minuten gelangen Reisende auf diesem Weg vom Fern- und Regionalbahnhof zu Terminal 3 – und das an 365 Tagen im Jahr. Dank der zweiminütigen Taktung sind auch knapp bemessene Anschlussflüge von 45 Minuten erreichbar. Ebenso wird für eine Verzahnung des bestehenden und des neuen Systems gesorgt. So haben Fahrgäste in der erweiterten Station am Terminal 2 die Möglichkeit, bequem zwischen den Zügen umzusteigen.

Innenansicht der PTS-Station am Terminal 3

Auf einer Fahrweglänge von knapp sechs Kilometern erreicht die neue Bahn eine Geschwindigkeit bis zu 70 km/h. Auf dem Weg von Station F am Fern- und Regionalbahnhof, vorbei an Terminal 2, entlang der Autobahn A5 in Richtung Süden, bis zum Terminal 3 muss die Bahn zwischen mehrere Ebenen wechseln. Das neue PTS fährt deshalb sowohl in Hochlage – etwa am Regional- und Fernbahnhof – als auch ebenerdig entlang der Autobahn.

Fahrerloses Fahren Im Gegensatz zum autonomen Fahren auf Straßen, bei dem eine Person immer noch ins Fahrgeschehen eingreifen kann, werden die Züge des PTS auf ihrer Fahrt zwischen den Terminals ohne Fahrer unterwegs sein. Der eigene Fahrweg, eine entgleisungssichere mechanische Spurführung sowie eine Bahnsteigabtrennung gewährleisten den sicheren Transport. Fahrerlose Systeme wie das PTS bieten den Vorteil, dass eine Stabilität im Betriebsablauf hergestellt wird, die mit Fahrern nicht möglich wäre. Die engen Fahrtaktungen und auch die Haltegenauigkeit könnten mit manueller Bedienung nicht eingehalten werden.

Neuester Stand der Technik

Wie bei fahrerlosen Systemen üblich, fahren die Züge des neuen PTS in beide Richtungen, sind maximal knapp drei Meter breit und entsprechen dem neuesten Stand der Technik. Je nach Systemwahl, die bis Ende 2017 erfolgen soll, werden die Züge aus zwei bis drei Fahrzeugen bestehen und dabei wie gewohnt in getrennten Fahrzeugen zwei Fahrgastgruppen Platz bieten: Im öffentlich zugänglichen Wagen können alle Originärpassagiere und Schengen-Umsteiger fahren, Non-Schengen-Umsteiger werden davon getrennt transportiert. So können bis zu 5.000 Reisende pro Stunde zwischen den Terminals 1, 2 und 3 verkehren.

Die PTS-Station am Terminal 3

Von der Planung zum Bau

2018 starten die ersten Bauschritte für das neue PTS. Die Trasse, die Haltestationen am Fernbahnhof, an Terminal 2 und 3, sowie ein Werkstattgebäude werden bis zur Inbetriebnahme des ersten Bauabschnitts von Terminal 3 im Jahr 2023 fertig gestellt. Die große Herausforderung ist es, die neue Trasse und weiteren Bauwerke zwischen den bestehenden Gebäuden und Verkehrsflächen im Norden bei laufendem Flughafenbetrieb zu bauen.